Mein Lehrmeister

Atlan ist seit 2002 mein treuer Wegbegleiter. Geboren wurde er am 16.05.1999, die Mutter eine Vollblut-Stute, der Vater ein Trakehner. Als wir beide uns kennenlernten, hatte er bereits ein Stockmaß von 178 cm. Sein Wesen beschreibt man am besten als Hasenfuß mit Löwenherz. In jungen Jahren stand er sich meist selbst im Weg, seine Devise war… ich bin weg. Bereits nach 6 Wochen gemeinsamer Zeit hatten wir einen schlimmen Unfall, den das Pferd körperlich völlig unbeschadet überstanden hat. Ich leider nicht ganz. Die Knochenbrüche heilten ohne Probleme, aber mein Kopf spielte mir danach dumme Streiche. Es dauerte ca. 5 Jahre, bis ich meine Panikattacken beim Reiten unter Kontrolle hatte. Ich hatte keine andere Wahl, als mich in ganz viel Bodenarbeit regelrecht „einzuarbeiten“. Außer dem klassischen Longieren – ausgebunden, an der Trense, immer nur im Kreis, flott vorwärts – war mir damals keine Alternative bekannt. Atlan hat mir aber deutlich zu verstehen gegeben, dass er so nicht arbeiten möchte. Also, … war umdenken angesagt.

So habe ich Elemente aus vielen unterschiedlichen Reitstilen übernommen, und das passende herausgesucht.

Davon profitiere ich auch heute noch bei allen Pferden, mit denen ich arbeite. Für mich gibt es in allen Sparten der Reiterei Aspekte, Übungen, Settings usw., die man vorteilhaft einsetzen kann. Ein absolutes Festhalten an einer Linie macht für mich keinen Sinn. Ich versuche immer über den Tellerrand zu blicken und für vieles offen zu sein. Außerdem entscheidet immer das Pferd, welche Maßnahme weiterhilft.

Bei Atlan musste ich die Pferdesprache von Grund auf lernen. Aber er hat es mir nicht schwer gemacht. Auf seine respektvolle, klare und freundliche Art ist er sehr eindeutig.

Im Alter von 7 Jahren wurde bei ihm Arthrose in Hüfte und Knie diagnostiziert. Viele haben mir geraten, ihn zu erlösen. Zum Glück habe ich nicht darauf gehört und bin mit ihm zusammen einen anderen Weg gegangen. Wir sind in einen Offenstall gewechselt, ich habe sämtliche Turnierambitionen hinter mir gelassen und ganz behutsam angefangen, so mit ihm zu arbeiten, dass Geländeritte möglich sind.

Die beste Entscheidung!!!

Nach einem Jahr war er das ausgeglichenste Pferd überhaupt. Eine absolute Versicherung im Gelände. Meine Panikattacken waren wie weggeblasen. In den folgenden Jahren hatten wir eine Menge Spaß miteinander. Doch leider kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem das Reiten nicht mehr gut für ihn war. Naja, … schlimmer für mich als für ihn.

Er steht jetzt seit 2020 als Rentner in einem kleinen privaten Offenstall, einen Wallach und zwei Stuten an seiner Seite. Und ich hoffe, dass er diesen Ruhestand noch lange genießen kann.

Atlan ist am 28. April 2026 über die Regenbogenbrücke gegangen. 

Mein lieber, lieber Freund… Du wirst immer in meinem Herzen bleiben

                       ❤️❤️❤️ Vielen Dank für Alles ❤️❤️❤️